Vom Superoxid zum Wasser: eine Kette in zwei Etappen
Das Superoxid-Anion wird nicht in einem Zug abgeräumt. Der Organismus zerlegt die Aufgabe in zwei Reaktionen, die von verschiedenen Enzymen an verschiedenen Orten übernommen werden. Zuerst entstehen aus zwei Superoxid-Teilchen ein Molekül Sauerstoff und ein Molekül Wasserstoffperoxid; danach wird dieses Wasserstoffperoxid zu Wasser reduziert. Erst beide Schritte zusammen ergeben einen geschlossenen Weg.
Das Manganzentrum, das den ersten Schritt macht
Den Auftakt übernimmt eine Superoxid-Dismutase. Der Mensch führt mehrere Varianten dieses Enzyms, die sich im Metall ihres aktiven Zentrums und in ihrem Standort unterscheiden. Die Variante im Innenraum der Mitochondrien trägt ein Manganatom. Der Standort ist kein Zufall: Der mitochondriale Innenraum ist genau der Ort, an dem der beschriebene Elektronenschlupf stattfindet, und das Enzym sitzt damit unmittelbar an der Quelle.
Chemisch läuft der Vorgang in zwei Halbreaktionen ab. Das Manganatom nimmt zuerst ein Elektron von einem Superoxid-Teilchen auf und gibt es anschließend an ein zweites weiter; am Ende bleiben Sauerstoff und Wasserstoffperoxid zurück. Auf diesen dokumentierten Zusammenhang bezieht sich der Registereintrag Mangan trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei — Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012.
Selenocystein und der zweite Handgriff
Wasserstoffperoxid ist selbst kein Radikal, bleibt aber reaktionsfähig und kann in Gegenwart bestimmter Metallionen weiter zerfallen. Deshalb folgt eine zweite Enzymgruppe: die Glutathionperoxidasen. In ihrem aktiven Zentrum steht eine Aminosäure, die anstelle des üblichen Schwefelatoms ein Selenatom trägt. Diese Aminosäure wird während der Eiweißherstellung an einer Stelle eingebaut, an der der genetische Code sonst einen Abbruch vorsieht — ein Sonderweg, den die Zelle nur für wenige Proteine geht.
Das Selenatom nimmt das Peroxid auf, wird dabei selbst oxidiert und anschließend über Glutathion wieder in den Ausgangszustand versetzt. Eine weitere Gruppe selenhaltiger Enzyme, die Thioredoxin-Reduktasen, hält daneben andere Eiweiße in ihrem reduzierten Zustand. Der zugehörige Eintrag lautet Selen trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei — Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Er gilt für Selen, nicht für Mangan, auch wenn beide Sätze denselben Wortlaut haben.
Der dritte Eintrag führt weg vom Redoxgeschehen
Mangan taucht in der Unionsliste ein zweites Mal auf, und zwar in einem Zusammenhang, der mit Sauerstoffverbindungen nichts zu tun hat. Bindegewebe besteht nicht nur aus Kollagenfasern, sondern auch aus einer wasserreichen Grundsubstanz. Deren Bestandteile sind Proteoglykane: lange Eiweißketten, an die zahlreiche Zuckerketten gehängt sind.
Das Anhängen dieser Zuckerketten erledigen Enzyme, die dafür ein Mangan-Ion an ihrem aktiven Zentrum brauchen. Ohne dieses Ion findet der Zuckerrest seinen Platz nicht. Auf diesen zweiten, getrennt begutachteten Vorgang bezieht sich der Satz Mangan trägt zu einer normalen Bindegewebsbildung bei — Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Dass beide Mangan-Sätze dasselbe Element nennen, macht sie nicht austauschbar: Sie beschreiben verschiedene Vorgänge und wurden getrennt geprüft.
Für alle drei Einträge gilt derselbe Rahmen. Sie beschreiben Funktionen im normalen Ablauf des Stoffwechsels, sie richten sich an die allgemeine Bevölkerung ohne ärztliche Diagnose, und sie dürfen nur verwendet werden, wenn ein Erzeugnis eine festgelegte Mindestmenge des jeweiligen Elements enthält. Aussagen über Beschwerden, über Leistungsfähigkeit oder über einzelne Erzeugnisse lassen sich daraus nicht ableiten.